Seit ihrem Umzug im Mai 2025 wohnt “unsere” ukrainische Familie nun in Steinheim. Wie sie damals ihre ersten Tage bei uns erlebt haben und was sie aus der Zeit in Hagedorn mitnehmen, erzählt Margo in diesem Text:
Im April 2022 kamen wir als Familie nach Deutschland – ich, meine Großmutter Galina, mein Großvater Juri und meine Mutter Irma. Wenige Monate später kamen auch meine Tante Katja mit ihren Kindern Narine und David zu uns. So lebten wir gemeinsam auf dem Hof, der für uns zu einem neuen Zuhause wurde.
Am Anfang war alles neu und ungewohnt. Wir kannten weder die Sprache noch das System. In dieser Zeit war Birte für uns wie ein Licht: Sie fuhr mit uns zu Arztterminen, erklärte uns alles, half uns mit den ersten Schritten in diesem neuen Land. Ihre Unterstützung war für uns nicht nur praktisch, sondern emotional von unschätzbarem Wert. Mit der Zeit wurden wir selbstständiger, aber die Hilfe und Herzlichkeit der Familie riss nie ab. Zu unserem ersten Neujahrsfest in Deutschland schenkte uns Brigitte Weihnachtsdekoration – für uns ein Zeichen echter Anteilnahme. Noch heute erinnern wir uns mit Wärme an diese Geste.
Auch wir wollten immer etwas zurückgeben. Wenn meine Großmutter Galina gebacken hat, brachte sie Birte und Brigitte oft etwas vorbei – weil sie wusste, wie sehr sie Süßes mögen. Es war uns wichtig, mit Respekt und Dankbarkeit das zu teilen, was wir konnten. Es war für uns ein Geben und Nehmen auf Augenhöhe. Wir verbrachten gemeinsame Zeit an Feiertagen, lachten zusammen, wurden eingeladen – wie an dem Abend, als Birte und Johannes uns zu Suppe einluden. Solche Momente bedeuteten uns viel. Besonders unvergesslich war für mich das Interview, das Birte mir für ein Projekt im Rahmen meines Studiums gab – ihre Offenheit und Unterstützung machten dieses Erlebnis perfekt und sehr besonders für mich.
Der Hof war für uns nicht nur ein Ort zum Wohnen. Er wurde für uns wirklich ein Zuhause. Ein Ort, an dem wir zur Ruhe kamen, wo wir Vertrauen spürten, wo unser Alltag wieder Struktur bekam – und wo wir uns angenommen fühlten. In einer Zeit, in der wir alles verloren hatten, habt ihr uns Sicherheit gegeben. Wir gehen nun weiter, voller Hoffnung und mit vielen Erinnerungen im Herzen. Doch dieser Ort und die Menschen hier werden immer ein Teil unserer Geschichte bleiben. Wir wünschen uns von Herzen, dass wir auch in Zukunft in Kontakt bleiben, uns weiterhin sehen – auf einen Kaffee, ein Gespräch, ein Lächeln.
Danke, dass ihr unser Leben mit eurer Wärme und Menschlichkeit bereichert!
