MEHR ALS NUR PACHT – VERANTWORTUNG TEILEN

Landwirtschaft steht heute mehr denn je im Zentrum vieler gesellschaftlicher Erwartungen. Sie soll einerseits hochwertige Nahrungsmittel erzeugen, andererseits nachhaltig, ressourcenschonend und ökologisch wirtschaften. Die Verantwortung für diese Ansprüche wird häufig allein den Landwirtinnen und Landwirten zugeschrieben, die tagtäglich auf den Feldern stehen, säen, pflegen und ernten. Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass auch diejenigen, die über den Boden selbst verfügen, eine maßgebliche Rolle spielen: die Eigentümerinnen und Eigentümer landwirtschaftlicher Flächen. Wer Flächen besitzt und diese verpachtet, trägt auch Verantwortung für den Umgang mit dem Land – denn über die Gestaltung der Pachtverträge kann entschieden werden, welche Bewirtschaftungsform auf dem eigenen Land stattfindet.

Etwa 60 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Deutschland sind verpachtet. Das bedeutet, dass über die Hälfte aller landwirtschaftlichen Nutzflächen nicht im Besitz des bewirtschaftenden Betrieb selbst sind, sondern von anderen Personen oder Institutionen. Damit bestimmen die Verpächterinnen und Verpächter indirekt mit, wie auf diesen Flächen gewirtschaftet wird – ob Böden geschützt, das Grundwasser geschont, Lebensräume für Pflanzen und Tiere erhalten und ob und wie viele Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Ihre Entscheidungen haben also Einfluss auf zentrale Ökosystemleistungen, die Böden, Wasser und Klima für unsere Gesellschaft erbringen.

Verantwortung in diesem Zusammenhang bedeutet, bewusst zu wählen und abzuwägen: Es kann heißen, im Pachtvertrag ökologische Bedingungen zu vereinbaren, beispielsweise den Verzicht auf bestimmte Pflanzenschutzmittel, eine vielfältige Fruchtfolge oder die Anlage von Blühstreifen. Es kann auch bedeuten, eine etwas geringere Pacht zu akzeptieren, wenn dafür ökologische Leistungen erbracht werden, die langfristig der Umwelt und dem Boden zugutekommen. Ebenso wichtig ist es, Pachtverträge so zu gestalten, dass sie Planungssicherheit für die landwirtschaftlichen Betriebe bieten. Kurze Vertragslaufzeiten erschweren Investitionen in ökologische Maßnahmen, während längere Vereinbarungen den Landwirtinnen und Landwirten ermöglichen, den Boden nachhaltig zu bewirtschaften und Agrarumweltmaßnahmen langfristig einzuplanen (Informationen vom BMLEH).

Die Vorteile einer solchen Bewirtschaftung liegen auf der Hand: Sie sichert den Erhalt fruchtbarer Böden, schützt das Wasser vor Schadstoffeinträgen und trägt dazu bei, die biologische Vielfalt auf den Flächen zu bewahren bzw. zu verbessern. Gesunde Böden speichern mehr Kohlenstoff, nehmen Regenwasser besser auf und machen die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegen Dürren oder Starkregen. Gleichzeitig profitieren auch die Menschen, die in einer abwechslungsreichen, lebenswerten Kulturlandschaft leben, von dieser Verantwortung – sei es durch sauberes Wasser, intakte Ökosysteme oder einfach durch eine vielfältige Landschaft.

Der Wandel auf unseren Flächen ist eingeleitet, sie werden für eine biologische Bewirtschaftung bereitstellt. Ob nach den Richtlinien von Naturland, Bioland, Demeter oder einem anderen anerkannten Bioverband – der ökologische Landbau setzt bewusst auf natürliche Kreisläufe, fördert die Bodenfruchtbarkeit durch Humusaufbau, verzichtet auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und setzt stattdessen auf Fruchtfolgen, mechanische Unkrautregulierung und den Schutz von Nützlingen. Solche Bewirtschaftungsweisen sind arbeitsintensiver und bringen nicht immer die höchsten Erträge, tragen aber entscheidend zum Erhalt der Bodenqualität, der Biodiversität und der Wasserreinheit bei. Für Verpächterinnen und Verpächter bedeutet das: Wer seine Flächen an einen Biobetrieb vergibt, entscheidet sich aktiv für eine nachhaltige Nutzung seines Bodens – und investiert in langfristige ökologische Stabilität statt kurzfristigen Profit. Gerade in Zeiten zunehmender Klimaextreme zeigt sich, dass ökologisch bewirtschaftete Böden resilienter sind und einen wertvollen Beitrag zum Schutz unserer Lebensgrundlagen leisten.

Hilfreich können dabei Beratungsangebote sein, wie sie zum Beispiel die Initiative “Fairpachten” bietet. Dieses vom NABU initiierte Projekt stellt Verpächterinnen und Verpächtern kostenlos Informationen und Musterverträge zur Verfügung, um Naturschutzaspekte in die Pachtgestaltung zu integrieren (www.fairpachten.org). So können Eigentümerinnen und Eigentümer sicherstellen, dass ihr Land nicht nur wirtschaftlich genutzt wird, sondern auch zur Artenvielfalt, zur Bodenfruchtbarkeit und zum Klimaschutz beiträgt.

Am Ende geht es darum, Verantwortung gerecht zu verteilen. Landwirtinnen und Landwirte können ihren Teil leisten, wenn sie wissen, dass auch die Eigentümerinnen und Eigentümer der Flächen hinter ihnen stehen. Wer Land besitzt, besitzt immer auch ein Stück Verantwortung – nicht nur für den eigenen Besitz, sondern für das, was auf diesem Land geschieht. Eine faire, vorausschauende und naturverträgliche Verpachtung ist deshalb ein zentraler Schlüssel für eine Landwirtschaft, die ökonomisch tragfähig und zugleich ökologisch verantwortungsvoll ist.
Nur wenn Eigentümerinnen und Eigentümer selbst bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und nicht ausschließlich auf den höchsten Pachtpreis achten, kann Landwirtschaft langfristig nachhaltig gestaltet werden.

Bildnachweis: www.tim-online.nrw.de ; Preußische Kartenaufnahme 1836-1850

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